Irgendwie ist der gerne als "Deutschlands letzter Playboy" titulierte und bereits vor Jahren vom Stadtmagazin tip als "peinlichster Berliner" ausgezeichnete Rolf Eden, "wie kein zweiter Sinnbild für das alte West-Berlin" (Marc Schulte, Vorwärts), der heimliche Star der 61. Berliner Filmfestspiele. Der Dokumentarfilm The Big Eden über sein Leben, der in der Panorama-Reihe der Berlinale gezeigt wird, feierte - Ironie der Geschichte - allerdings im ehemaligen FDJ-Kino "International" in Mitte am Dienstag in Anwesenheit des Porträtierten Premiere - und nicht im Berlinale Heimkino vergangener Zeiten, dem unweit des Ku'damm gelegenen Zoo-Palastes, der zur Zeit wegen Umbau und Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Merkwürdigerweise kommt dann auch keine Stimme der Kritik aus, auf diese untrennbare Einheit Eden-West-Berlin hinzuweisen (vgl. die oben verlinkten Pressestimmen).
Der Regisseur Peter Dörfler erzählt Edens Leben: wie er als kleines Kind mit seiner Familie kurz nach der Machtergreifung der Nazis 1933 vollzählig nach Palästina emigrierte, wie er im israelischen Unabhängigkeitskrieg in einer Eliteeinheit kämpfte (und nebenbei dort sein erstes Kind zeugte), wie er mit den 6.000 D-Mark, die Familienangehörige, die vor den Nazis flüchten mussten, erhielten, wenn sie in den Westteil Berlins zurückkehrten, seinen ersten Jazzclub gründete, wie er seit den Sechzigern zum Nachtclubbesitzer und später zum Discokönig aufstieg, seine bekannteste Diskothek, das Big Eden, zum Anziehungspunkt für Touristen aus Westdeutschland und aller Welt wurde (vgl. B.Z. vom 13. Februar 2011) .
Und natürlich bleibt auch der Rest nicht ausgespart: mehr als 15.000 schlaflose Nächte, etwa 100.000 Flaschen Champagner und seine mind. über 3.000 Frauen. Die sieben, die mit ihm ein Kind haben, dürfen in der Doku dann auch zu Wort kommen.
Wer die "kleine Hommage auf das alte Westberlin" (Dradiokultur) noch einmal während der Berlinale erleben möchte, hat heute, Donnerstag, den 17. Februar 2011, am späteren Nachmittag um 17.30 Uhr im Cubix 7 am Alexanderplatz die Gelegenheit dazu. Wer keine Karte mehr bekommen haben sollte oder anderweitig verhindert ist, sei auf den kommenden Herbst vertröstet, wenn der Film deutschlandweit in den Kinos anlaufen wird. Und wer bis dahin nicht mehr warten kann, dem seien die folgenden Ausschnitte aus der ausnahmsweise einmal sehenswerten Sat.1 24-Stunden Reportage empfohlen:
Mag Rolf Eden auch peinlich sein, so nervtötend und letztendlich uninteressant wie der immer unerträglicher werdende Berlin-Hype (der u.a. zu unerwünschten Nebenwirkungen wie den unverschämt überteuerten Mieten dank der aufspringenden Investoren und Spekulanten führt) kann diese seltsame "Mischung aus Glamour und Trash" (Peter Dörfler) gar nicht sein, wenn der Hausbesitzer in einem Interview über die "Clubkultur" des Neuen Berlins wettert:
"Diese Bum-Bum-Musik kann ich nicht ausstehen. Und die Tänzer, die kann ich auch nicht ausstehen. Die stehen alle nur rum wie die Affen, und hampeln mit den Armen." (Cicero)
Bleibt hier nur noch bei "Kartoffelsalat mit Blondine" (SpOn) sich der Meinung der F.A.Z. anzuschließen und zu fordern:

Letzte Kommentare