Pünktlich zum 125jährigen Jubiläum überbieten sich die lokalen Feuilletonisten in Retrospektiven über den Ku'damm. So wird beispielsweise der Tagesspiegel nicht müde, neben einer Würdigung dieses "Sehnsuchtsorts" (meist vergangener Zeiten) eine ganze Serie über die dunklen Seiten des Boulevards (z.B. das Attentat auf Rudi Dutschke) zu präsentieren. Die Prachtstraße hatte einst Bismarck 1886 als Pendant zu den Pariser Champs-Elysées verstanden wissen wollen.
Zum Schluss seiner Ku'damm-Reflexionen wird Seije Slager sogar küchenphilosophisch:
"Man sagt manchmal über die Hauptstadt Deutschlands: Berlin ist die einzige Stadt, in der man in Deutschland sein kann, ohne in Deutschland leben zu müssen. Man könnte über die Hauptstraße Berlins sagen: Der Kurfürstendamm ist die einzige Straße, in der man in Berlin sein kann, ohne in Berlin leben zu müssen."
Alles klar? Logo... oder?
Neben dem heutigen Kalenderblatt des Deutschlandfunk ("Hier siehste wat, erlebste wat und findste wat") lässt auch der Springer-Boulevard die bewegte Geschichte der Flaniermeile in einer B.Z.-Serie Revue passieren. Zur vertiefenden Lektüre seien die Literaturhinweise im unvermeidlichen Wikipedia-Artikel empfohlen oder die Impressionen auf der offiziellen Jubiläumsseite.
Die oftmals beschrieene, aber dem Gratulanten von diesem Blog oft doch als unverbesserlich optimistische Durchhalteparolen vorkommene Renaissance der Vorzeigestraße West-Berlins relativierte bereits das Westberlin-Lexikon (S. 163), das zutreffend wie lapidar anmerkt:
Die Straße, die aus unerfindlichen Gründen gern mit den Paryser Champs-Elysées verglichen wurde, erlitt in den Neunzigern wegen Ausbreitung von Frittenbuden, Fast-Food-Ketten, Billig- und Leerstandläden weiteren Imageverlust.
Sinnbild dieses Niedergangs ist das Kinosterben an Ku'damm, Tauentzien, Zoo und Breitscheidplatz zur gleichen Zeit. Ein Überblick findet sich hier.
Filmbühne Wien im Haus Wien, Kurfürstendamm 26, 1959
Bis heute sucht man allerdings Ersatz für eine vergleichbare Flaniermeile vergebens, denn keinesfalls konnte die im seelen- wie trostlosen zur gleichen Zeit aus dem Boden gestampften, aber im architektonischen Mittelmaß verharrende und für alle Nicht-Berliner konzipierte sogenannte Neue Mitte entlang der Friedrichstraße und Unter den Linden diese Lücke schließen - von den an Hässlichkeit nicht mehr zu überbietenden Bausünden am Potsdamer Platz ganz zu schweigen. Der in ähnlicher Weise nun - im Gegensatz zur finanziellen Verhätschelung der Hauptstadt der DDR - politisch unerwünscht viel zu spät begonnene Umbau der City-West ließ schon vor Jahren beim neuen Kranzler-Eck nichts Gutes erahnen - und der Rohbau des martialischen Zoo-Fensters in unmittelbarer Ku'damm-Nähe scheint die schlimmsten Befürchtungen noch zu übertreffen. Verglichen damit hatte sich ja selbst das oft gescholtene Ku'damm-Eck homogener in den Straßenzug und ins Stadtbild gefügt:
Bis die nächste Verunzierung den nichtsdestoweniger dennoch unverwüstlichen Boulevard heimsucht, darf in Erinnerungen geschwelgt werden und gratulieren Hildegard Knef, Harald Juhnke, Paul Kuhn, Bully Buhlan, Reinhard Mey, Udo Lindenberg und Frank Zander fleißig mit:
Allet Jute, Ku'damm - und uff die nächsten 125 Jahre!!!

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